Allgemeine Infos
Tut das eigentlich weh?
Das würd ich nie aushalten!
So, oder ähnlich ist die Reaktion von meist weiblichen Interessierten, die mich über die fachgerechte Anbringung von Hautschmuck interviewen. Das soll nun nicht heißen, dass die "Herrn der Schöpfung" sich nicht um die bevorstehende Folter scheren - sie fragen weniger häufig und geben nicht öffentlich zu, dass ihnen das Konzept körperlicher Pein keineswegs fremd ist!
"Ganz fürchterlich! Die meisten werden vor Schmerzen bewusstlos, wenn sie nicht rechtzeitig aufspringen und davonlaufen", antworte ich dann meistens mit mehr oder weniger breitem Grinsen. Denn natürlich konnte ich meine (bisher) ca. 50 Stunden unter der Nadel trotz unbeschreiblicher Qualen mannhaft durchstehen und mich daher für den Erhalt meiner Gene im Fortpflanzungsprozess qualifizieren!
Aber wie weh tut es denn nun wirklich?
Schmerz spielt sich vor allem im Kopf ab. Viele erwarten das Schlimmste und sind dann ganz überrascht, dass es doch nicht so fürchterlich ist. Das sind die jenigen, bei denen die Entscheidung für ein Tattoo lange gereift ist und die bereit sind, dafür auch physischen Unbill in Kauf zu nehmen. Auf der anderen Seite krümmt und windet sich so mancher Held, gerade so, als ob die Tattoonadeln im Muskelfleisch wühlten.
Natürlich ist das individuelle Schmerzempfinden stark unterschiedlich; mehr als ein, zugegebenermaßen, reichlich unangenehmes Kratzen wird jedoch kaum jemand verspüren, dessen Tattoo eine bestimmte Größe nicht überschreitet.
Das ist natürlich anders bei den Schlaumeiern, die sich dem erwarteten Schmerz durch Einnahme bewusstseinserweiternder Produkte oder Inhalieren von Kräutern zu entziehen versuchen. Das genaue gegenteil ist der Fall. Von der gefahr eines Kreislaufkollaps abgesehen, erhöht sich normalerweise die Empfindlichkeit der Nerven. Also: noch mehr "Autsch"!
Alkoholgenuss führt wegen der Erweiterung der Blutgefäße zu starker Blutung und zum baldigen Abbruch der Tätowierung durch den verantwortungsbewussten Tätowierer - so er sie denn überhaupt in Angriff genommen hat.
Relativ einstimmig wird behauptet, dass die Outlines schmerzhafter sind als Schattierungen oder Füllarbeiten. Ist ja immerhin tröstlich, dass das Schlimmste am Anfang kommt und alles andere danach halb so wild ist!
Die Stelle, an der die Tätowierung auf dem Körper angebracht wird, ist meiner Meinung nach nicht so entscheidend. Die Frage der Platzierung sollte sowieso anderen Kriterien unterliegen. Aussagen darüber, wo's denn nun wie weh tut, gehen weit auseinander und werden oft von denen gemacht, die dort überhaupt nicht tätowiert sind. Befragt man unsere total zugeinkten Brüder und Schwestern, hilft das auch nicht weiter, weil die über einen langen Zeitraum verteilten Erfahrungen in der Erinnerung verschwimmen, zudem beeinflussen unzählige Faktoren die physische und psychische Verfassung des Opfers.
Ein wichtiger Faktor erscheinen mir der Verlauf und die Dauer einer Sitzung zu sein. Nach einer anfänglichen Periode der Eingewöhnung findet sich der Körper normalerweise mit dem Angriff auf seine Oberfläche ab. Die Anspannung lässt nach und beginnt der baldigen Fertigstellung des wunderbaren Endprodukts entgegen zu fiebern. Dieser Zustand hält im Idealfall vielleicht ein paar Stunden an, bis die freudige Erregung zunehmender Verkrampfung weicht und die Zigarettenpausen häufiger und länger werden. Jeder, der schon mal die Erfahrung einer mehr als drei- bis vierstündigen Sitzung machen durfte, wird mir beipflichten, dass nun die Zeit gekommen ist, die Zähne zusammen zu beißen. Schmerzmittel helfen auch nicht, da sie die Ermüdung nur noch beschleunigen.
Irgendwann kommt man zur Einsicht, dass das Tribalstück auch ohne Füllung ganz gut aussieht und schwört, nie mehr wieder zu kommen. Ein paar Wochen später steht man dann wieder auf der Matte, weil das Teil in Schwarz doch einfach besser kommt und außerdem die Sucht stärker ist als der gesunde Menschenverstand, der für den Erhalt einer natürlichen Hautfarbe plädiert.
Die meisten Kunden jedoch, die der Virus noch nicht endgültig gepackt hat, bleiben innerhalb der zweiten, der euphorischen Phase, und werden für die Überwindung ihrer Ängste mit einer vollständigen Tätowierung belohnt.
Wer sich von der Erwärtung etwaiger Schmerzen abschrecken lässt, hat den Entschluss, sich tätowieren zu lassen, ohnehin nicht reiflich durchdacht und sollte es lieber bleiben lassen. Der Schmerz ist schnell vergessen, die Freude an der Tätowierung bleibt im Idealfall für immer.
Bio Tattoos und andere Märchen
Es war einmal ein kleines Gummibärli das erzählte vor einem Millionenpublikum die Geschichte von den Bio Tattoos die sich nach einiger Zeit in Luft auflösen.
Zurück zur Realität:
Die Aussage, dass ein Permanent Tattoo nur einen begrenzten Zeitraum seinen Träger erfreuen wird und danach verschwindet ist nicht haltbar. Zu dieser Erkenntnis gelangte der Gutachter des deutschen Fachverbandes für Permanent-MakeUp Dr.Dr. Michael Neuner (der selbst eine Zusatzausbildung zum Kosmetiker und Pigmentierer gemacht hat). Er warnt seine Kollegen eindringlich davor, Zeitangaben hinsichtlich der Haltbarkeit von sogenannten Bio Tattoos zu machen, da diese rechtlich angreifbar sind.
Dies aus mehreren Gründen:
Verhalten des Kunden: Der individuelle Hauterneuerungsprozess plus Pflege nach der Behandlung, beides sind nicht berechenbare Faktoren, die aber die "Lebensdauer" des Bildes beeinflussen.
Pigmentierer: Entscheidend für die Haltbarkeit ist der Druck, mit dem die Pigmente in die Haut eingebracht werden. Ist er zu stark, dringen die Pigmente unter die Basalmembran der Haut und verbleiben dort zeitlich unbegrenzt, sprich: das bleibt und geht nicht weg!
Als ideal für ein Permanent Tattoo wird die Schicht über der Basalmembran angesehen, und da liegt der Knackpunkt: Die Pigmente müssen in die Schicht zwischen verhornter Oberhaut und Basalmembran eingeracht werden, die je nach Körperstelle und Hauttyp 0,02 und 0,04mm tief ist. Die Folge ist oftmals, dass einige Pigmente unter die Basalmembran gelangen und dort auch verbleiben, andere werden vielleicht in die richtige Hautschicht eingebracht und verschwinden dann tatsächlich irgendwann. Wie das Ergebnis dann aussieht, kann man nur ahnen. Genauere Angaben über die Lebensdauer sind nicht möglich.
Aktualisiert ( Freitag, 12. Juni 2009 um 09:29 Uhr )







